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Hebra Atlas


Hypertrichiasis II


Hypertrichiasis II.
Farblithographie nach Carl Heitzmann. Heft X, Tafel 8, 59 x 45 cm (1876). Farbkopie

Üppiger Haarwuchs (Hypertrichiasis)

Ferdinand von Hebra definiert das Krankheitsbild wie folgt: ”Am häufigsten und auffälligsten stellt sich die Hypertrichiasis in Form eines üppigen Haarwuchses an den Körperstellen dar, an welchen entweder dem Alter oder dem Geschlechte des betreffenden Individuums entsprechend, oder ein für allemal bei allen Menschen nur feine Wollhärchen (Lanugo) der Norm gemäss vorhanden sein sollen.” Ähnlich wie beim tätowierten Mann betont er die Kuriosität des Falles. Der Dargestellte ließ sich 1873 von einem ”Entrepreneur” dem schaulustigen Wiener Publikum präsentieren.

Schon Lesser unterscheidet zwei Arten der Hypertrichosis, die angeborene und die erworbene. Erstere ist erblich, nicht heilbar und kann sowohl universell als auch partiell auftreten. In fast allen Fällen sind betroffene Familienmitglieder aus zwei bis drei Generationen bekannt. Die erworbene Hypertrichosis befällt stets nur begrenzte Hautgebiete. Sie kann durch sehr unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden, wie zum Beispiel durch eine Verletzung peripherer Nerven oder durch chemische beziehungsweise mechanische Reizungen. Die Behandlung erfolgt im 19. Jahrhundert entweder durch Rasur, durch Auftragen ätzender Pasten oder durch Verödung der Haarbalge (Follikel) auf mechanischem beziehungsweise elektrischem Wege.

Heute definiert man die Hypertrichose als ”verstärkte Körperbehaarung ohne Beteiligung der Sexualhaare, wobei sich die Haare von kurzen Vellushaaren [Flaumhaaren] in dicke, markhaltige und längere Terminalhaare [fertig ausgereifte Körperhaare] umwandeln”. Die Behandlung unterscheidet sich nicht von der des 19. Jahrhunderts.