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Hebra Atlas


Moulagenkunst

Die Konkurrenz der Medien

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind gezeichnete und gemalte Abbildungen von Hautkrankheiten nicht mehr die einzigen dermatologischen Lehr und Studienmedien. Atlaswerke werden mit Fotografien bestückt, die eine bislang unerreichte Realistik versprechen. Zwar geben monochrom gehaltene Fotografien bereits sehr gut das Formenrelief der normalen und kranken Haut wieder. Die häufig angewandte Kolorierung der Abzüge macht den positiven Eindruck der neuen Technik jedoch vielfach wieder zunichte. Immerhin wird eines klar: Für das dermatologische Bild ist die wirklichkeitsnahe Farbgebung unverzichtbar.

Diese Forderung erfüllen eingefärbte Nachbildungen von Hautkrankheiten "aus Wachs, Papier maché oder Gyps", die bereits Ferdinand von Hebra kennt. Diese Stücke bieten sogar noch etwas, was den gemalten Abbildungen fehlt die dritte Dimension. Ab den späten 1880er Jahren erleben vor allem in Wachs abgeformte Hautkrankheiten an europäischen Hautkliniken einen Boom. Diese sogenannten Moulagen (franz. mouler abformen, abdrucken) sind äußerst naturnahe, lebensgroße, plastische und realistisch eingefärbte Wiedergaben krankhaft veränderter Hautregionen. Der Moulagenkünstler (Mouleur) fertigt zunächst am Patienten ein Gipsnegativ. Er gießt dieses in einem zweiten Fertigungsschritt mit einer flüssigen Wachsmischung aus, entfernt daraufhin die Wachsschale aus der Form, bemalt die Rohmoulage und zieht das fertige Produkt auf ein schwarz lackiertes Holzbrett auf. In weiße Leinenstreifen eingefaßt, wird die Moulage abschließend mit einem Diagnoseeintrag versehen. Die fertige Nachbildung wird in eine dermatologische Studiensammlung aufgenommen und bei Bedarf im Unterricht gezeigt oder den Studenten zum Selbststudium überlassen.

Neben dem zwei oder dreidimensionalen Abbild spielen Feucht und Trockenpräparate in der Dermatologie traditionell eine eher untergeordnete Rolle. Während der Konservierung wird ein Hautstück in Form und Farbe meist so stark verändert, daß es sich für eine auf Naturnähe verpflichtete Lehre kaum mehr eignet.