Therapie

Welche Therapie rät Ferdinand von Hebra?

Ferdinand von Hebra geht in seinem 1860 erschienenen Lehrbuch ‘Acute Exantheme und Hautkrankheiten’ in einem gesonderten Kapitel auf die allgemeine Therapie von Hautkrankheiten ein. Er schreibt darin: ”Bei der Geringfügigkeit oder wohl gar dem gänzlichen Mangel jeder rationellen Basis für unser therapeutisches Verfahren bei der Heilung von Krankheiten der Haut, bleibt uns kein anderer Ausweg als der der reinen Empirie ... Wir versuchten die verschiedensten Mittel, sie mochten von Aerzten oder Laien empfohlen worden sein, und fanden manche der ersten Kategorie weniger wirksam, als man sie anrühmte, während uns Volksmittel sehr gute Dienste leisteten.”

Bevor von Hebra dann zu den einzelnen Heilmitteln übergeht, stellt er noch zwei Dinge klar: Zum einen ist er im Gegensatz zu manchen seiner Zeitgenossen der auch heute noch gültigen Meinung, daß sowohl die gesunde, als auch die kranke Haut aufgetragene Substanzen aufnehmen und in die Blutbahn weiterleiten kann. Um dennoch eine ”allzu heftige Einwirkung auf den Gesammtorganismus” zu vermeiden, ist von Hebra bemüht, ”den Krankheiten der Haut so schnell wie möglich eine Ende zu machen”. Zum anderen hält er die sogenannten blutreinigenden Mittel für ungeeignet zur Behandlung chronischer Hautkrankheiten und steht auch damit im Widerspruch zu vielen seiner Zeitgenossen.

(Abb. 10: Psoriasis diffusa. Farblithographie von Anton Elfinger (vgl. Kat-Nr. 5)

Zur innerlichen Behandlung von Hautkrankheiten verabreicht von Hebra meist Arsenik, verschiedene Quecksilber, Jod und Eisenverbindungen sowie den Lebertran. Die äußerliche Therapie umfaßt die Anwendung kalter oder warmer Bäder, denen bei Bedarf Schwefel, Kaliseife oder Kochsalz zugesetzt werden und die die Dauer mehrerer Stunden erreichen können. Als Grundlage für ”erweichende Einreibungen” verwendet von Hebra verschiedene Öle wie Mandel, Oliven oder Leinöl oder auch Schweineschmalz, dem wiederum Quecksilber, Jod, ArsenikVerbindungen und Schwefel beigemischt werden können. Das Hauptmittel zur schnellen Abstoßung von erkrankter Haut ist für von Hebra die Kaliseife (Schmierseife). Bei Psoriasis, Ichthyosis und Lupus setzt er sie alleine ein, bei Ekzemen in Verbindung mit Schwefel und Teerpräparaten. Zur Entfernung von Geschwüren und Neubildungen der Haut greift er neben chirurgischen Methoden auf Ätzmittel zurück. Besondere Vorteile schreibt er dabei dem Silbernitrat zu, das als Substanz oder konzentrierte Lösung verwendet wird und seiner Meinung nach auch von ungeübten Personen angewendet werden kann. Von Hebra schließt seine Ausführungen mit dem Satz: ”Nebst diesen wirksamen Mitteln, deren man sich theils zum innerlichen, theils zum äusserlichen Gebrauche bei verschiedenen Hautleiden bedient, werden jedoch auch nicht selten unwirksame ... Mittel verordnet und zwar bei Krankheiten, deren Verlauf wir nicht zu ändern im Stande sind und bei welchen die exspectative Methode vom besten Erfolge begleitet wird.”